Cantine – made by Traube Tonbach

Beim Software-Entwickler Vector Informatik in Stuttgart-Weilimdorf betreibt die Familie Finkbeiner seit rund zwei Jahren das Betriebsrestaurant. Wie das funktioniert.

Stuttgart. Mit der Finkbeiner Kantinen GmbH & Co KG setzt das Baiersbronner Familienunternehmen auf ein weiteres gastronomisches Standbein. Cantine – made by Traube Tonbach heißt es seit knapp zwei Jahren im Betriebsrestaurant des Software-Entwickler Vector Informatik in Stuttgart-Weilimdorf. 

„Als unsere Mitarbeiter zum ersten Mal hörten, dass künftig die Traube Tonbach das Betriebsrestaurant betreiben würde, waren manche schon skeptisch“, äußert Vector-Geschäftsführer Thomas Beck im Gespräch mit der AHGZ. „Das können wir uns doch nie leisten“, so der Tenor unter den Beschäftigten damals. Ein Trugschluss. Denn das Softwareunternehmen subventioniert nicht nur die Speisen, die an fünf Tagen in der Woche über die Counter gehen, es übernimmt zusätzlich erforderliche Mehrkosten für Waren und Zubereitung. Auf diese Weise können kantinenübliche Preise angeboten werden. 

Zufriedenheit im Fokus

Den Mitarbeitern frisches, qualitätsvolles Essen zu offerieren, sei ein Baustein der Vector-Philosophie, so Beck. Denn die Zufriedenheit der Beschäftigten zahle sich letztendlich für das Unternehmen aus. Die einfache Rechnung des Geschäftsführers: „Unser Beitrag für das Betriebsrestaurant liegt jährlich bei rund 3 Mio. Euro.“ Das mache nur rund 1,5 Prozent der gesamten Personalkosten aus, sagt Thomas Beck. Seiner Meinung nach werde in vielen Unternehmen zu wenig über eine vernünftige Essenskultur nachgedacht. „Kostenmäßig könnten es sich viele leisten.“ Für Thomas Beck war der Bau eines neuen Campus der Anlass die Betriebsgastronomie auf ein neues Niveau zu heben. Zuvor – allerdings bei weniger Mitarbeitern – führte in der Vector-Betriebsküche ein angestellter Koch Regie, der durch ein Cateringunternehmen abgelöst wurde. Es waren für das Unternehmen nicht die besten Erfahrungen. 

Bei einem privaten Besuch der Familie Beck in der Traube Tonbach kam es zu ersten Gesprächen und Plänen, die schnell umgesetzt werden konnten. So begann die Zusammenarbeit zwischen Finkbeiner und Vector bereits vor der Eröffnung des neuen Betriebsrestaurants. „Wir konnten bei der Küchen- und Konzeptplanung mitreden“, sagt Sebastian Finkbeiner, der mit Vater Heiner und Bruder Matthias die Geschäfte des Familienunternehmens führt. 

Die Auslastung spricht Bände. Anfangs auf 750 Essen ausgelegt, gehen in der Vector-Kantine derzeit rund 1250 Mittagessen über den Tresen. Täglich nehmen 85 bis 90 Prozent der rund 1400 Mitarbeiter die Angebote der Betriebskantine wahr. In dem hellen und modern eingerichteten Restaurant stehen 480 Plätze zur Verfügung. In der warmen Jahreszeit finden die Mitarbeiter auch auf der Terrasse Platz. 

An verschiedenen Countern können die Beschäftigten täglich unter vier Hauptgerichten und Beilagen wählen. Am Counter „Trend“ kostet die Portion Maispoularde beispielsweise 3,80 Euro, Beilagen wie geschmorte Paprika oder Eierspätzle zusätzlich 60 Cent. Zum täglichen Angebot gehören ein vegetarisches Essen und zweimal die Woche ein veganes sowie ein Low-Carb-Gericht. Wer Lust hat, kann im Betriebsrestaurant auch frühstücken. 

Die Cantine – made by Traube Tonbach wolle höchsten gastronomischen Ansprüchen gerecht werden, erläutert Finkbeiner. „Alles wird frisch zubereitet.“ So werden in der Küche auch nur ganze Fische verarbeitet. Während der Fisch-Aktionswoche gibt es etwa „Loup de mer in der Gewürzsalzkruste mit Limettenschaumsauce, mediterranem Gemüse und Grenaillekartoffeln“. Ein Essen fast wie im Gourmet-Lokal. 

„Die Lieferanten sind zum Großteil dieselben wie die der Traube Tonbach“, sagt Sebastian Finkbeiner. „Qualität steht über allem.“ Kantinenübliche Fertigware sei absolut tabu, selbst bei Suppen und Saucen. Diese schätzt Feinschmecker Thomas Beck neben Pürees besonders. Entsprechend hoch ist der Arbeits- und Wareneinsatz. Dank Subvention und Mischkalkulation habe man kostenmäßig aber alles im Griff. Außerdem tauschen sich beide Partner regelmäßig aus. Das Feedback der Beschäftigten erfolgt über einen Kantinenrat. Dabei können von der Belegschaft auch Lieblingsgerichte eingefordert werden. 

Expansion geplant

„Am Standort Vector hat Finkbeiner 24 Mitarbeiter im Einsatz, darunter auch ehemalige Mitarbeiter der Traube Tonbach. Küchenchef Christian Adam bringt Erfahrungen aus dem Palazzo von Harald Wohlfahrt mit. Im Sommer startet die erste Koch-Auszubildende. Mit „Cantine – made by Traube Tonbach“ hat das junge Unternehmen erste Erfahrungen in der Gemeinschaftsgastronomie gesammelt. Familie Finkbeiner will mit ihrem Cantinen-Konzept weiter expandieren. Mit Vector-Geschäftsführer Beck ist man sich einig, dass ab 2020/21 an den Vector-Standorten in Karlsruhe und Regensburg ebenfalls Essen auf hohem Level angeboten werden soll. 

Außer dem Hotel Traube Tonbach betreibt die Familie Finkbeiner einen Catering-Betrieb in Meersburg und das Ludwigsburger Schlosshotel Monrepos mit dem Gourmetrestaurant Gutsschenke, das kürzlich mit dem ersten Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Text: Rüdiger Rüster, AHGZ

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